Für #Boykott Saudi-Arabia 2034 gibt es Tausende an guten Gründen. Grob gesagt alle, die schon 2022 für #Boykott Qatar sprachen. Plus weitere. Saudi Arabiens königliche Diktatur ist auf Öl gebaut. Die Menschenrechte befinden sich in desaströsem Zustand. Frauen haben nichts zu sagen. Minderheiten sowieso nicht. Bei bürgerlichen und politischen Freiheiten gehört Saudi-Arabien weltweit zu den Schlusslichtern. Wer kritisiert, wird geköpft. So wie Jamal Khashoggi, der im Istanbuler Konsulat nur die Papiere für seine Hochzeit abholen wollte. Dort wurde er zerstückelt. Bis heute sind keine Leichenteile gefunden worden. Der Mord wurde vom Kronprinz Mohamed Bin Salman persönlich angeordnet.
Wie immer in totalitären Systemen, ist Gianni Infantinos FIFA ganz nah dran. Mohamed Bin Salman bekam schon die Klub-WM 2023 ohne Ausschreibung. Die große WM ging per Applaus nach Saudi-Arabien. Die entsprechende Bewerbung erhielt die höchste Benotung aller Zeiten. Wie FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke vor 10 Jahren betonte: „Weniger Demokratie ist manchmal besser für die Organisation einer Weltmeisterschaft“. Nach Russland, Katar und demnächst USA kann man das „manchmal“ getrost streichen.
Infantino hat den Weltfußball längst zum Wurmfortsatz der Unrechtsstaaten der Welt degradiert. In den Palästen, in denen Diktatoren, Despoten und andere Idioten herrschen, braucht man keine Spurensicherung, um die Schleimspur Infantinos zu orten. Ein Blick auf seinen Insta-Account genügt. Das norwegische Portal „Josimar“ hat kürzlich aufgelistet, an wen sich Infantino ranwanzt, unter anderem: Milei (Argentinien), Bolsonaro (Brasilien), Duterte (Philippinen), Orban (Ungarn), Erdogan (Türkei), Museveni (Uganda), Biya (Kamerun), Aliev (Aserbaidschan), Bukele (El Salvador, „der coolste Diktator der Welt“), Bin Zayed (VAE), Rouhani (Iran), Kagame (Ruanda) und natürlich Trump (Weltherrschaft). Wie sich Infantino einschleimt, übersteigt jedes Maß an diplomatischer Notwendigkeit. Der kleine wichtige Mann genießt es sichtbar. „Josimar“ urteilt: „Ja, irgendwann müssen wir alle mit dem Teufel speisen, entscheidend ist die Länge des Löffels. Bei Infantino ist er so klein, dass er genauso gut mit der Nase im Kochtopf stecken könnte.“
Nach Sichtung des präsidialen Insta-Accounts muss einem die Lust auf jedes FIFA Turnier gründlich vergehen. Hinter dem Hashtag „Boykott“ ein einzelnes Land zu setzen, erscheint fast ein wenig kurz gesprungen. Selbst dann, wenn es sich um Saudi Arabien handelt. Vernünftige SportskameradInnen sollten endlich damit beginnen, die FIFA grundsätzlich zu bekämpfen und zwar mit allen Mitteln, die Demokraten noch zur Verfügung stehen, selbst wenn sie weltweit in der Minderheit sind. Drei Vorschläge zum Start. Erstens: Der DFB muss mit den großen europäischen Verbänden eine Phalanx bilden und sich hinter die mutige FIFA-Kritikerin Lise Klaveness stellen. Europa mag nicht mehr zu den reichsten Regionen gehören, aber zu den einflußreichsten. Zweitens: Die FIFA-WM gehört aus dem Informationsauftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten gestrichen. Eine unpopuläre Maßnahme, zugegeben. Aber ARD und ZDF haben wichtigere Dinge zu finanzieren als den Populismus-Tourismus des FIFA Präsidenten. Drittens: Hören wir endlich auf, FIFA-Turniere zu bejubeln. Lassen wir sie an uns vorbeiziehen wie einen Unfall auf der Autobahn. Gaffen verbietet der Anstand.

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